Kapitel 9

War das Internet vor wenigen Jahren nur einigen Computer-Interessierten an den Universitäten ein Begriff, so ist es heute in aller Munde. Kein seriöses Wirtschaftsmagazin, kein flippiges Szenejournal, das seinen Lesern nicht schon die möglichen Auffahrten zum "Information-Highway" gewiesen hat. In unzähligen Diskussionen und Talkshows müht man sich redlich ab, den goldenen Mittelweg zwischen kritikloser Euphorie und stürmischer Verdammung zu finden, und auch im Fernsehen tauchen immer öfter bunte WWW-Seiten, teils als Inhalt der Berichterstattung, teils als optischer Aufputz, auf. Wenn Du die Augen offen hälst, so begegnet Dir das Internet heute an allen Ecken und Enden.
Der Boom in der Berichterstattung spiegelt die Entwicklung wieder, die das Internet selbst erlebt. Obwohl es bereits eine stattliche Größe erreicht hat, verdoppelt sich die Zahl der Hosts am Internet noch immer jedes Jahr. Geht dieses Wachstum so weiter, so werden zur Jahrtausendwende rund 150 Mio. Computer und mehr als eine Milliarde Benutzer vernetzt sein. Aber wird diese Entwicklung so weiter gehen? Was wird sie mit sich bringen?
Einige Entwicklungstendenzen lassen sich recht deutlich erkennen:
In den USA war Ende 1994 die Zahl der kommerziellen Rechner erstmals größer als die der universitären. Zugleich wächst ihre Zahl besonders stark. Schon heute kann man fast alles im Internet kaufen. Allerdings wird der Netzzugang über private Anbieter dadurch auch immer kostengünstiger und die Qualität der Angebote immer besser.
Die Ausweitung des Kreises der Internetbenutzer hat auch das Informationsangebot im Netz wesentlich verändert. Schon längst sind die "Computerfreaks" unter den Netzwerkbenutzern eine Minderheit.
Das führt dazu, daß sowohl das Informationsangebot im Netzwerk als auch was die Netzwerk-Software heute wesentlich stärker den Bedürfnissen des "durchschnittlichen" Benutzers entsprechen als noch vor einigen Jahren.
Im weltweiten Netz stimulieren sich Angebot und Nachfrage gegenseitig, was zu einem Wachstumsprozeß führt, der sich in den Wachstumsraten des Internet deutlich ausdrückt. Das Informationsangebot steigt, das Internet zieht neue Benutzer an und ihre Zahl steigt weiter. Die Möglichkeit, relativ einfach sowohl auf Informationen zugreifen als auch welche zur Verfügung stellen zu können, steigert die Attraktivität des Netzes für private Benutzer und immer mehr Firmen werden angeregt, Informationen über dieses Medium zu verbreiten.
Hinzu kommt, daß die Übertragung von Daten durch immer leistungsstärkere Leitungen in Zukunft billiger wird.
Durch Dienste wie Archie, Gopher, WAIS und besonders das WWW wird das Internet vom Transportmedium immer mehr zum Informationsmedium. Die Dienste erleichtern den Zugang zu diesen Informationen erheblich.
Immer mehr Netzwerkdienste werden integriert. So greift das WWW z.B. auf Mechanismen wie WAIS und Archie zurück, Gopher nutzt die Informationen von FTP-Servern und NetNews.
Die umfassendsten und massivsten Veränderungen wird das Internet wahrscheinlich in der Wirtschaft auslösen. Dort unterstützt und beschleunigt es nämlich eine Entwicklung, die auch ohne Internet bereits weit vorangekommen ist: die Entwicklung zur globalen Wirtschaft.
Vieldiskutierte Probleme sind derzeit das Fehlen eines sicheren Übertragungsmodus im Internet, die Entwicklung eines sicheren Zahlungssystems (electonic-cash oder e-cash) und das sogenannte rating im Netz, das heißt z.B. das Sperren bestimmter Seiten z.B. für Kinder. Wie in den meisten anderen Internetbereichen auch, liegen die Hindernisse nicht mehr in den technischen, sondern in den organisatorischen Fragen.
Eines ist jedenfalls klar: Auf lange Sicht werden der Einfluß von Computernetzwerken wie dem Internet und die von ihnen ausgelösten Veränderungen auch in Bereichen spürbar sein, die wir derzeit noch weit von elektronischer Kommunikation entfernt wähnen. Be prepared!