Die Führung eines Unternehmens sollte neben der kurzzeitigen Gewinnmaximierung auch immer das Ziel haben, das Unternehmen für die nähere und auch entferntere Zukunft optimal einzustellen. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens in seiner weiteren Entwicklung zu sichern, müssen Strategien entwickelt werden, die das Unternehmen möglichst gut auf die Zukunft vorbereiten.
Für die Entwicklung solcher Strategien ist es notwendig, sich ein Bild von der Zukunft zu machen. Oft ist es aber ein Fehler, sich nur auf eine mögliche Entwicklung einzustellen, da die Zukunft nicht vorhersehbar ist. Es ist daher sinnvoll, mehrere mögliche ,,Szenarien``, also mehrere Bilder, der Zukunft zu betrachten. Für jedes mögliche Szenario können dann entsprechende Strategien entworfen werden, um das Unternehmen optimal zu führen.
Das Szenario-Management ist eine Methode, systematisch solche Zukunftsbilder zu entwickeln. Eine ausführliche Beschreibung ist in [GFS96] enthalten. Die Methode läßt sich grob in fünf Phasen einteilen:
Der Gegenstand der Untersuchung und der zu berücksichtigende Zeitraum werden festgelegt. Daraus ergibt sich die Szenario-Plattform.
Es werden verschiedenen Einflußbereiche bestimmt, die das gesamte zu untersuchende System beschreiben. Daraus ergeben sich Einflußfaktoren mit ihren verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten. Aus dieser großen Zahl an Einflußfaktoren werden die wesentlichen herausgesucht, mit denen weitergearbeitet wird. Sie heißen Schlüsselfaktoren.
Zu jedem Schlüsselfaktor wird überlegt, welche unterschiedlichen Projektionen, also Entwicklungen in der Zukunft, existieren. Bei einem Schlüsselfaktor ,,Entwicklung der Treibstoffkosten`` sind zum Beispiel die Projektionen ,,Kosten bleiben konstant`` und ,,Kosten vervielfachen sich`` möglich.
Die Verträglichkeit verschiedener Projektionen von unterschiedlichen Schlüsselfaktoren werden festgelegt. Sie wird durch einen Konsistenzwert von eins bis fünf (total inkonsistent bis sich gegenseitig stark unterstützend) ausgedrückt.
Auf der Grundlage dieser so entstandenen Konsistenzmatrix wird eine Liste von Projektionsbündel bestimmt. Ein Projektionsbündel ist eine Menge von Projektionen, in der für jeden Schlüsselfaktor eine seiner Projektionen enthalten ist. Diese Projektionsbündel werden in einige wenige homogene Mengen zusammengefaßt, aus denen die Szenarien entwickelt werden.
Die verschiedenen Szenarien werden untersucht und entsprechende Strategien für das Unternehmen daraus entwickelt.
Als ein Beispiel für eine Anwendung des Szenario-Managements kann ein reales Projekt dienen, bei dem es darum ging festzustellen, wie die Schule und das Bildungssystem der Zukunft aussehen könnte. Dieses Projekt wurde von der AG Gausemeier des Heinz Nixdorf Instituts der Universität-GH Paderborn in Zusammenarbeit mit einigen Schulen der Region Paderborn durchgeführt.
Das Projekt zeigt, daß das Szenario-Management nicht nur für Unternehmen sinnvoll eingesetzt werden kann, sondern überall dort benutzt werden kann, wo es darum geht, aufgrund möglicher Entwicklungen in der Zukunft Entscheidungen treffen zu müssen.
Bei der Szenariofeld-Analyse dieses Projekts wurden über 75 verschiedene Einflußfaktoren identifiziert, die die Entwicklung der Zukunft bestimmen. Aus diesen Einflußfaktoren wurden dann 20 Schlüsselfaktoren ausgewählt, die weiter untersucht und benutzt werden sollten.
In der Phase der Szenario-Prognostik wurden dann für jeden Schlüsselfaktor verschiedene Projektionen bestimmt. Dabei ergaben sich sechs Schlüsselfaktoren, für die drei zu berücksichtigende Projektionen bestimmt wurden. Ein Schlüsselfaktor wurde direkt auf eine Projektion festgelegt und der Mehrzahl von 13 Schlüsselfaktoren wurden zwei unterschiedliche Projektionen zugewiesen. In Tabelle 1.1 sind einige der Schlüsselfaktoren mit ihren Projektionen aufgelistet.