HEINZ NIXDORF
INSTITUT
Universität Paderborn
Theoretische Informatik
AG Meyer auf der Heide
Perlen der Theoretischen Informatik
WS 04/05
Friedhelm Meyer auf der Heide

- Anmeldung und Themenvergabe
war am 27. Oktober 2004 16h15 im F1.310
mit dem unten aufgeführten Ergebnis.
- Abgabe der schriftlichen Ausarbeitungen
(8-12 Seiten)
bis 16. Januar 2005
- Blockseminar (S2)
Mittwochnachmittag, 26. Januar 2005 im F1.110;
Mittwoch und Donnerstag, 2.+3. Februar 2005
im Schloß Gehrden bei Brakel/Höxter.
Kosten (Unterkunft+Verpflegung) voraussichtlich ca. 60 Euro.
- Bewertung
als ein MuA-Punkt im dritten Abschnitt (Master-Studiengang) bzw. Hauptstudium
(DPO4).
Zeitplan
Beginn am Mittwoch, dem 26.1.2005 im F1.110:
Mittwoch, dem 2.2.2005 in Schloß Gehrden:
Donnerstag, dem 3.2.2005 in Schloß Gehrden:
Inhalt
In diesem Seminar soll anhand einer Reihe ausgewählter Aufsätze
und Lehrbuch-Abschnitte die Schönheit von Problemlösungen aus
dem Bereich der Theoretischen Informatik demonstriert werden und
daß die Beschäftigung mit raffinierten Beweistechniken,
eleganten Argumenten und überraschenden Konstruktionen höchst
vergnüglich ist.
Inspiriert wird dieses Seminar durch das Buch
,,Perlen der Theoretischen Informatik`` von Uwe Schöning, in dem
er eine Sammlung von Ergebnissen vorstellt, die seiner Meinung
nach Highlights der Theoretischen Informatik darstellen.
Natürlich wird die Themenauswahl unseres Seminars durch den
Geschmack der Themensteller und ihre Arbeitsgebiete geprägt
sein.
Um für etwas Abwechslung zu sorgen, sind hier nur
Themen aufgelistet, die im letzten
oder vorletzten
Jahr nicht vergeben wurden:
-
Computer programmieren sich selbst
Ob die Olivanova Model
Execution Maschine die angekündigten Erwartungen
erfüllt, vermag ich nicht zu sagen.
Theoretisch jedoch hat Marcus Hutter im Jahr 2000 tatsächlich
einen Algorithmus präsentiert,
der beweisbar jedes Problem bei Eingabe seiner
funktionalen Spezifikation löst.
Darüber hinaus ist sein
HSEARCH,
asymptotisch höchstens um einen konstanten Faktor
langsamer, als jeder andere Algorithmus für das
eingegebene Problem.
Unter schwachen Voraussetzungen kann man sogar Faktor 5 erreichen!
-
Eine Komplexitätstheorie der Adventure-Spiele
Zu den Adventures gehören so bekannte Spiele wie
Monkey
Island, die Sierra-Serien
Space
Quest, Police
Quest und King's
Quest sowie
Leisure Suit Larry
aber auch der C64-Klassiker
The
Dallas Quest
oder /usr/games/adventure unter Unix.
Von Brauer,
Holzer, König und Schwoon stammt eine
sehr nette Klassifikation solcher Spiele. Sie illustriert
den sonst vielleicht etwas trockenen Stoff
"Formale Sprachen/Chomsky-Hierarchie"
auf unterhaltsame Weise und impliziert Ergebnisse über die
algorithmische Lösbarkeit solcher Adventures.
-
C++ Parser sind universell
Wie alle praktisch handhabbaren Programmiersprachen
ist auch C++
kontextfrei,
läßt
sich also mit Aufwand O(n3) erkennen;
allerdings unter Außerachtlassung von type-checking.
Ein korrektes C++ Programm
unter Berücksichtigung von type-checking
zu erkennen, ist hingegen Turing-vollständig:
überraschenderweise konnten Böhme und Manthey aus Lübeck
zeigen, daß sich bereits beim Kompilieren (!)
jede partiell-rekursive Funktion berechnen läßt.
-
Büchi-Automaten sind abgeschlossen unter Komplement
Daß die von nichtdeterministische endlichen Automaten (NEAs)
akzeptierte Sprachklasse abgeschlossen ist unter Komplement, zeigt
man üblicherweise, indem man den NEA in einen äquivalenten
DEA umwandelt. Für Sprachen unendlicher Wörter
(sog. ω-reguläre Sprachen)
ist dies im allgemeinen nicht mehr möglich.
Büchi zeigte 1960, daß die ω-regulären
Sprachen dennoch abgeschlossen sind unter Komplement.
Dabei spielt Ramseys Theorem für
unendliche Graphen eine wichtige Rolle.
- Conways
LIFE ist unentscheidbar
LIFE ist wohl der bekannteste der zellulären Automaten:
Auf einem Gitter ist in jedem Schritt der Folgezustand eines
Knotens (=Zelle) entweder tot oder lebend,
abhägig von seinem bisherigen Zustand und dem seiner
acht unmittelbaren Nachbarn.
Conway, der Erfinder, vermutete, eine Anfangskonfiguration aus
endlich vielen lebenden Zellen bleibe asymptotisch von
beschränkter Größe. Um so größer die
Überraschung, daß man im Gegenteil
mit LIFE eine Turingmaschine simulieren kann!
- Zum
Umweg-Faktor ebener geometrischer Wegesysteme
Man will von a nach b; in direkter Verbindung
(Luftlinie) haben diese Orte Abstand x, wegen der Straßen-
oder Wegführung muß man jedoch einen Umweg der
Länge δx gehen. Natürlich soll
δ≥1 möglichst klein sein.
Sind a und b beliebige Knoten eines geometrischen
Graphen, so führt dieses Minimierungsproblem auf die
wohlbekannten sogenannten Spanner.
Diese sind jedoch i.A. nicht planar.
Außerdem soll der 'Umweg-Faktor' δ
in Praxis nicht nur zwischen zwei Knoten
klein sein, sondern auch zwischen allen Paaren von Orten
a und b des (nicht notwendig geradlinigen)
Wegesystems. Eine preisgekrönte
Arbeit des Bonner Lehrstuhls Rolf Klein
hat für dieses Problem obere
und untere Schranken hinsichtlich des erreichbaren Werts
von δ angegeben und dabei viel interessante
Geometrie verwendet.
-
Graphenfärbung in erwartet konstanter Zeit
Das Problem der k-Färbung ist eines der ältesten graphthereotischen
Probleme. Diese Aufgabe fing wohl mit der Frage an, ob eine Landkarte
mit Staatsgebieten so eingefärbt werden kann, dass keine zwei
benachbarte Länder die selbe Farbe besitzen. Wegen der eingeschränkten
Drucktechnologie war die Reduzierung der Anzahl der verschiedenen
Farben elementar. Das Färbungsproblem war unter den ersten Problemen,
die als NP-vollständig klassifiziert worden sind. Andererseits ist es
aber sehr einfach dieses Problem für einen zufälligen Graphen zu lösen,
wie von Herbert Wilf in seinem Buch im letzten Abschnitt beschrieben
wird.
-
Ein exponentieller Unterschied zwischen deterministischem
und probabilistischem Broadcast in Radio-Netzwerken
Bar-Yehuda, Goldreich und Itai haben in vielen Arbeiten Broadcasting in
Radio Netzwerken untersucht. Gegeben sind n Teilnehmer und einer von
ihnen besitzt eine Nachricht, die an alle n-1 anderen Teilnehmer
drahtlos übermittelt werden soll. Dabei reicht die Reichweite
nicht aus, um die Weiterleitung in einem Schritt zu ermöglichen
(Multi-Hop
Netzwerk). Zusätzlich kann es zu Übertragungsfehlern aufgrund von
Interferenzen kommen. Die Zeiteinteilung in diesem Modell erfolgt
rundenbasiert, d.h. in einer Runde kann ein Teilnehmer entweder
empfangen oder senden. Der Empfang einer Nachricht ist nur dann
erfolgreich, wenn kein anderer Teilnehmer zur gleichen Zeit in
Reichweite gesendet hat.
In dieser Arbeit wird nun die Zeitkomplexität
von deterministischen und randomisierten Protokollen für erfolgreiches
Broadcasting in Radio Netzwerken analysiert. Wesentliche Ergebnisse der
Arbeit sind untere und obere Zeitschranken für diese Protokolle, die
eine exponentielle Lücke zwischen deterministischem und randomisiertem
Broadcasting verdeutlichen.
-
Ein einfacher Sortierer, der fast immer sortiert
Ein Sortierer ist eine schwarze Schachtel mit zwei Eingängen und zwei
Ausgängen.
Wenn man zwei Zahlen in die Eingänge wirft, dann kommen sie sortiert an
den
Ausgängen raus. Wenn man jetzt viele von diesen Sortierern mit Röhren
geschickt
verbindet, so hat man einen n-Sortierer mit n Eingängen und n Ausgängen.
Ajtai, Komlos und Szemeredi haben bewiesen, dass so ein n-Sortierer mit
Tiefe
O(log n) gebaut werden kann. Jede Zahl fliegt dann durch maximal O(log
n)
Schachteln. Nur versteckt sich hinter dem O in der O-Notation eine
vierstellige
Konstante...
Leighton und Plaxton können das viel schneller, nur nicht immer
korrekt...
-
Erkennen von Unit Disk Graphen
Es sei eine Menge von Knoten in der Euklidischen Ebene gegeben, z.B.
drahtlose Geräte; und der Unit Disk Graph dieser Menge ist nun so
definiert, dass zwischen zwei Knoten eine ungerichtete Kante existiert,
falls der Euklidische Abstand zwischen den beiden Knoten nicht grösser
als 1 ist. Weil bei mobilen Ad-hoc-Netzwerken oft keine GPS-Information
zur Verfügung steht, geht man davon aus, dass ein Graph ein in Form einer
Nachbarschaftsliste gegeben ist aber keine Koordinaten der einzelnen
Knoten.
Nun wurde gezeigt, dass es NP-schwer ist zu entscheiden, ob dieser Graph
ein Unit Disk Graph sein könnte. Selbst die "Approximation" dieses
Problems bleibt schwer. Eine weitere Arbeit behandelt die Einbettung
des Graphen in die Euklidische Ebene, d.h. die Vergabe
virtueller planarer Koordinaten an die Knoten.
Diese Ergebnisse sollen didaktisch aufgearbeitet
und verständlich präsentiert werden.
-
Aroras PTAS für das Euklische TSP
Kaum ein NP-vollständiges Problem ist so populär wie das Traveling
Salesperson Problem, liebevoll TSP genannt. Da es auch auf
gewöhnlichen, d.h. Euklidischen Landkarten NP-vollständig ist,
bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als sich mit Näherungslösungen
zufriedenzugeben. Ein großes Ahh und Ohh ging durch die Fachwelt, als
S. Arora 1996 auf einer Tagung einen Approximationsalgorithmus vorstellte,
der beliebig nah an eine optimale Rundreise herankommen kann und
trotzdem bloß polynomielle Laufzeit hat. In diesem Vortrag soll
Aroras Algorithmus aus der polierten Zeitschriftenversion von
1998 vorgestellt werden.
-
Theory of P2P-networks
(3 Topics)
Peer-to-Peer networks have become very popular in the last few years.
They can be used to share files (Napster, Gnutella, Kazaa)
but also to share computational power (SETI@home).
The definition of a peer-to-peer network says that each of its nodes
has equivalent capabilities and responsibilities. This is actually
not true for most of the examples - Napster used central servers
and Kazaa treats some nodes as supernodes.
Such networks have been very well examined in practice and the demands
concerning them are well defined. Nowadays also the theory on them is
developed.
-
Continuous-Discrete Approach - a topology which is degree/dilation optimal
-
Load-Balancing - throwing balls
into bins in a very structured environment
-
Skip lists and skipgraphs - a topology which enables storing of
ordered data without decrease of performance
Dieses Buch gibt es im Semesterapparat in der Bibliothek.
Martin Ziegler