Erhard Tornier in "Deutsche Mathematik", Januar 1936, S.8-9:
"Angewandte Mathematik im wörtlichen Sinne sind alle die mathematischen
Theorien, die geschaffen sind, außermathematische Fragen im einzelnen zu
lösen oder aber ganze solche Fragenkreise geistig zu vereinigen. Leistet
das ein Zweig der angewandten Mathematik, so hat er Lebensrecht, sonst ist
er bestenfalls ein unvollständiger Anfang, wenn weiterer Ausbau ihm zu
diesem Ziele verhelfen kann, oder aber er ist ein Dokument
jüdisch-liberalistischer Illusionstechnik, entsprungen dem Intellekt von
Artisten, die mit Definitionen jonglieren.
Das entsprechende Kriterium aber gibt es für die Sinnerfülltheit
reinmathematischer Theorie. Auch die reine Mathematik nämlich hat reale
Objekte - wer das wegdiskutieren will, ist ebenso Vertreter
jüdisch-liberalistischen Denkens wie jeder philosophische Solipsist -,
das sind in der Hauptsache die natürlichen Zahlen und die geometrischen
Gebilde. Jede Theorie der reinen Mathematik hat Lebensrecht, die wirklich
imstande ist, konkrete Fragen, die sich auf reale Objekte wie ganze Zahlen
oder geometrische Gebilde beziehen, zu beantworten, oder wenigstens dem
Aufbau dazu befähigter Theorien zu dienen. Andernfalls ist sie entweder
ein unvollendeter Anfang, nämlich wenn weiterer Ausbau ihr dazu verhelfen
kann, oder aber sie ist ein Dokument jüdisch-liberalistischer Vernebelung,
entsprungen dem Intellekt wurzelloser Artisten, die durch Jonglieren mit
objektfremden Definitionen sich und ihrem gedankenlosen Stammpublikum
mathematische Schöpferkraft vorgaukeln, einem Stammpublikum, das froh ist,
langsam einige Tricks abzulernen, um vor noch Bescheideneren damit zu
glänzen als Rastellis dritter Güte."